Vollmachten

Wahrscheinlich ist Ihnen und Ihren Eltern wichtig, wer sich um ihre Belange und Finanzen kümmert, wenn der Notfall eintritt und Ihre Eltern das selbst nicht mehr können. Dann sollten Sie wichtige Vorkehrungen treffen.

Zuerst stellen sich folgende Fragen:

  • Wer soll für welchen Bereich die Vertretung übernehmen?
  • Welche Vollmachten  und Dokumente machen Sinn und sollten auf jeden Fall vorhanden sein, damit die Betreuung
    im Notfall gesichert wird?

Wichtig: Alle Vollmachten und das Testament müssen im Original schnell auffindbar sein.



Notfall-Listen

Gesundheitliche Notfälle bei älteren Verwandten werden komplizierter, je mehr Medikamente, Krankheiten, Ärzte oder Versicherungsleistungen berücksichtigt werden müssen. Wenn die hier gelisteten Informationen im Ernstfall schnell auffindbar sind, kann das eventuell das Leben Ihrer Eltern verlängern. In jedem Fall erleichtern die Informationen Verwandten und Ärzten  die Hilfeleistung und reibungslose Übernahme der Betreuung.

 

Liste der Notfall-Dokumente, die Senioren bei sich tragen sollten:

  • Namen und Adressen aller Menschen, die im Notfall benachrichtigt sein sollten.
  • Namen aller wichtigen Ärzte, deren Fachgebiete und Telefonnummern
  • Stets aktualisierte Liste aller einzunehmenden Medikamente und Gebrauchshinweise
  • Name der Krankenversicherung und Versicherungsnummer
  • Sozialversicherungsnummer

Liste, die im Elternhaus und als Kopie bei einem Verwandten liegen sollte:

  • Grundlegende finanzielle Übersicht mit allen Kontonummern, Namen und Kontaktinformationen
  • Liste aller Versicherungen mit Kontaktinformationen
  • Passwörter für Computer, Versicherungs-Onlineportale, E-Mail, Handy, usw.

 


Unterschied zwischen Vollmacht und Verfügung

Mit einer Vollmacht ernennen Ihre Eltern einen Vertreter, der für sie Handlungen ausführen kann auch, wenn sie selbst noch entscheidungsfähig sind.

Voraussetzung: Wenn Ihre Eltern jemanden bevollmächtigen, müssen Sie noch geschäftstüchtig sein. 

 

Innenvollmacht: Der Vollmachtgeber ernennt den Vertreter direkt (kann sogar mündlich erteilt werden).

Außenvollmacht:  Der Vollmachtgeber  ernennt den Vertreter gegenüber einem Dritten, z. B. einer Bank

Zu wichtigen Entscheidungen  sollten Ihre Eltern eine schriftliche und unterzeichnete Vollmacht erteilen.

Dann haben Sie im Ernstfall ein Schriftstück in der Hand, um die Vollmacht nachzuweisen.

Es können Vollmachten für nur spezielle Bereiche abgeschlossen werden

Bei einer erteilten Generalvollmacht wird der Vertreter generell zum Abschluss aller Rechtsgeschäfte ermächtigt. Das heißt im Klartext: Schließt der Vertreter einen Vertrag ab, hat das die gleiche Rechtsgültigkeit, als würden Ihre Eltern das Geschäft selbst abschließen. Das gilt auch, wenn die Eltern noch entscheidungsfähig sind.

 

Im Unterschied dazu tritt eine Verfügung erst in Kraft, wenn die Eltern nicht mehr entscheidungsfähig sind.

Patientenverfügung und Betreuungsverfügung werden also erst dann wirksam, wenn die Eltern medizinisch und pflegerisch betreut werden müssen, und darüber nicht mehr selbst entscheiden können. In der Verfügung wird festgelegt, welche Behandlungen Ihre Eltern wünschen und wie mit Ihrem Eigentum verfahren werden soll, wenn sie selbst nicht mehr handeln und entscheiden können.

 


Die Patientenverfügung

Hier wird geregelt, wie der betroffene Mensch in welcher Situation medizinisch versorgt werden möchte. Die Patientenverfügung tritt dann in Kraft, wenn Ihre Eltern selbst nicht mehr einwilligungsfähig sind. Vordrucke sind beispielsweise in Arztpraxen erhältlich. Sie können die Patientenverfügung auch mit dem Arzt besprechen.  Ihre Eltern sollten eine Kopie des ausgefüllten Dokuments auch beim Hausarzt hinterlegen. Idealerweise wird die Patientenverfügung mit einer Vorsorgevollmacht verbunden.

 


Die Vorsorgevollmacht

Durch die Vorsorgevollmacht legen Ihre Eltern selbst fest, wer für sie später Entscheidungen treffen soll. Weder die Patientenverfügung, noch die Vorsorgevollmacht sind verpflichtend. Der behandelnde Arzt hat ein Mitspracherecht, wenn es zum Beispiel un das Abschalten Lebenserhaltender Maschinen geht. Liegt keine Vorsorgevollmacht vor, wenn es um wichtige Entscheidungen geht, die selbst nicht mehr getroffen werden können, dann bestimmt das Amtsgericht einen Betreuer. Das kann auch ein amtlicher Betreuer sein, also eine fremde Person. 

In der Vorsorgevollmacht werden alle – oder nach Wunsch nur ein Teil der – Bereiche abgedeckt, in denen Entscheidungen getroffen oder Verträge geschlossen werden müssen. Dazu können Heimaufenthalte, Operationen oder Bankgeschäfte gehören. Sie wird im Zustand voller geistiger Zurechnungsfähigkeit abgeschlossen, kann stets aktualisiert werden und gilt ab der ärztlichen Feststellung einer Geschäfts- und Handlungsunfähigkeit.

 

Eine Vorsorgevollmacht sollte in jedem Fall schriftlich abgefasst sein und notariell beglaubigt werden. Im Internet gibt es Vordrucke für eine solche Vollmacht, die aber häufig nur Standardsituationen mit Ankreuzfeldern bieten. Sinnvoll ist es, eigene Vorstellungen nieder zu schreiben und sich zum Zweck der inhaltlichen Genauigkeit im Notariat beraten zu lassen.

 


Die Betreuungsverfügung

Mit der Betreuungsverfügung wird ein formloser Wunsch an das Gericht gestellt, wer im Falle der Unzurechnungsfähigkeit die eigene Betreuungsperson sein soll. Selbst wenn Ihre Eltern nicht mehr voll geschäftsfähig sind, können sie eine gültige Betreuungsverfügung verfassen. Besser ist es aber, Ihre Eltern schreiben die Betreuungsverfügung, wenn Sie noch geschäftsfähig sind. Häufig gibt es Streit, wenn der Betroffene bei der Ausstellung der Betreuungsverfügung nicht mehr voll geschäftsfähig war.

 

Gericht bestellt Betreuungsbevollmächtigten: Im Gegensatz zur Vorsorgevollmacht gilt die Betreuungsverfügung nicht sofort ab Feststellung der eigenen Handlungsunfähigkeit. Der/die Bevollmächtigte muss erst zum Betreuungsgericht bestellt werden. Danach kann er/sie in rechtlichen Fragen für den Betroffenen entscheiden.

In die Betreuungsverfügung können Ihre Eltern  schreiben, wie Sie betreut werden möchten. Zum Beispiel, wer der Betreuer sein soll oder wer auf keinen Fall. Wo und wie sie wohnen wollen. Ob sie bestimmte lebensverlängernde Eingriffe nicht wollen. Sie können auch bestimmen, dass der Betreuer den Verwandten zum Geburtstag Geschenke schicken soll. Der Betreuer kauft die Geschenke dann vom Geld der zu betreuenden Person. 

Wünsche konkret formulieren: Wichtig ist, die Wünsche so genau wie möglich zu formulieren. Der Betreuer muss sich dann daran halten, sofern das möglich ist. Das Betreuungsgericht kontrolliert die Betreuungsverfügung und den Betreuer. Hat Ihre Mutter zum Beispiel in die Betreuungsverfügung geschrieben, dass Ihr Schwager auf keinen Fall Betreuer für Sie werden soll, muss das Gericht diesen Wunsch beachten. Ihre Eltern können die Betreuungsverfügung auch dann noch verfassen, wenn Sie nicht mehr voll geschäftsfähig sind. Dies ist der Unterschied zur  Vorsorgevollmacht. Diese kann nur bei voller Geschäftsfähigkeit erstellt werden.

Form der Betreuungsverfügung:  Sie können die Wünsche für eine mögliche Betreuung einfach auf ein Blatt Papier schreiben. Sie können sich zum Beispiel nach dem Vordruck des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz richten. Auf jeden Fall sollten Unterschrift, Ort und Datum auf der Betreuungsverfügung nicht fehlen. Um die Betreuungsverfügung zu bekräftigen, kann man alle ein bis zwei Jahre nochmals mit Datum unterschreiben.

Aufbewahrung: Die Betreuungsverfügung sollte an einem Ort liegen, den man leicht erreichen kann. Zum Beispiel in einer Schublade im Schrank oder im Schreibtisch.  Ihre Eltern können auch eine Notiz in Ihrem Geldbeutel hinterlegen, wo Sie die Betreuungsverfügung hingelegt haben. Denn nur wenn das Betreuungsgericht die Betreuungsverfügung kennt, kann das Gericht entsprechend entscheiden.

Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, können Sie sich beim zentralen Vorsorgeregister der Bundes-Notar-Kammer registrieren. Dort hinterlassen Sie eine Notiz, dass Sie eine Betreuungsverfügung geschrieben haben. Ihre Eltern können dort auch angeben, wo Sie die Betreuungsverfügung hinterlegt haben. Das Betreuungsgericht prüft beim Vorsorgeregister, ob eine Notiz zur Betreuungsverfügung hinterlegt wurde. Die Registrierung beim Vorsorgeregister kostet eine kleine Gebühr.

 


Testament

Ein Testament regelt die Verteilung des Vermögens im Todesfall, wenn diese vom/n der Verstorbenen anders als gesetzlich vorgeschrieben gewünscht wurde. Es gibt verschiedene Varianten, ein Testament aufzusetzen. Hierfür empfiehlt sich im Einzelfall die Beratung durch einen Rechtsanwalt oder eine Notarkanzlei.

 


Formulare und Dienstleister

Formulare:

Hier finden Sie die BMJV (Bundesministerium) Formulare zur Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung >>

 

Dienstleister:

Sie können sich auch einen Notfallkoffer von einem externen Spezialisten erstellen lassen.

In einem privaten Notfallordner haben Angehörigen für den Fall der Fälle Zugriff auf alle wichtigen Dokumente, die Sie dringend benötigen. Dies sind vor allen Dingen Patientenverfügungen, Betreuungsvollmachten. Erfahren Sie mehr >>