Ein emotionales Thema - das Auto!

Für die Nachkriegsgeneration ist das Auto nicht einfach ein nützliches Fortbewegungsmittel: Es ist ein Statussymbol, ein Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit - man hat es geschafft - der Mercedes steht vor der Tür. Das eigene Auto wird von Rentnern geliebt und gepflegt und mit seinen Besitzern meist ziemlich alt. Denn nennenswerte Kilometer hat es nicht mehr auf dem Buckel. 5000 Kilometer Fahrleistung im Jahr sind da schon viel. Bei meinem Vater sind es nicht mal mehr 1000 Kilometer,  die im Laufe des Jahres zusammen kommen. Eigentlich sind die Kosten für die geringe Nutzung viel zu hoch. Aber solange es geht, wird des "Deutschen liebstes Kind" nicht abgegeben. Selbst wenn das gute Stück nur noch in der Garage steht, fällt der Abschied schwer. Das Gefühl,  einfach noch mal losfahren zu können, ist zu schön,  um es freiwillig aufzugeben.

Tipp:

  • Zeigen sie den Eltern bequeme und kostengünstige Alternativen, mit denen sie mobil bleiben können, aber sich und andere nicht gefährden.
  • Wenn die Eltern das Auto abgeben, brauchen sie sich um den Führerschein-Entzug meist keine Gedanken mehr zu machen.
    Denn: Wer kein Auto hat, fährt auch nicht mehr.

Übrigens: Viele Autovermietungen, vor allem im Ausland, verleihen ihre Fahrzeuge nicht an Personen über 75 und wenn doch, dann mit Zusatzkosten. Richtig ist das nicht. Hier werden Menschen aufgrund ihres Alters diskriminiert, obwohl sie vielleicht noch sehr fit sind.

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Tipps zum Erhalt der Fahrtauglichkeit und zur möglichen Abgabe des Führerscheins
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Ist das Risiko älterer Autofahrer wirklich höher? Hier erfahren Sie mehr
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Senioren-Auto

Ein echtes Senioren-Auto gibt es bisher nicht. Als Senioren-freundliche Modelle gelten beispielsweise Autos mit hohem Einstieg, Automatik und selbständigen Einparkhilfen.


Führerschein abgeben?

Muss der Führerschein abgegeben werden, wenn ein Pflegegrad vorliegt?

Nein - wer einen gültigen Führerschein besitzt, darf ein Auto fahren. Die Fahrerlaubnis gilt lebenslang, wenn sie nicht entzogen wurde.

Wenn eine Person mit Pflegegrad sicher fährt, bietet das eigene Auto Vorteile: Arztbesuche, Familienbesuche und Einkäufe sind selbstständig und spontan möglich. Das Auto ist ein Stück Freiheit – egal,  in welchem Alter.

 

Führerscheinentzug - wer ist zuständig?

Wenn Sie bemerken, dass Ihre Eltern im Straßenverkehr nicht mehr klar kommen, sollten Sie als naher Verwandter tätig werden. Aller-dings muss die Straßenverkehrsbehörde eine Untersuchung bei einem Facharzt veranlassen. Der stellt dann in einem Gutachten fest, ob die Fahrtauglichkeit noch gewährleistet ist. Aber: Woher soll die Behörde wissen, dass beispielsweise Ihre Mutter nicht mehr fahrtauglich ist? Wenn die Mutter der Polizei nicht zufällig auffällt, fährt sie solange, bis etwas passiert.

 

Was können Sie tun bei Fahruntüchtigkeit der Eltern?

  • Reden Sie mit Ihren Eltern. Versuchen Sie die Eltern von der Abgabe des Führerscheins und/oder Autos zu überzeugen.
  • Wenn das nicht möglich ist,  reden Sie mit der örtlichen Polizei über das Problem. Dort werden dann die relevanten Informationen erhalten.
  • Warten Sie nicht ab, bis etwas passiert. Sie machen sich dann mit Sicherheit Vorwürfe.


Neues Auto - oder neue Mobilität?

Das Auto kommt nicht mehr durch den TÜV! Jetzt sucht der 85-jährige Vater nach einem neuen Prestige-Objekt. Hoffen Sie, dass er an einen verantwortungsvollen Autoverkäufer gerät? Nehmen Sie die Sache lieber selbst in die Hand.
Probefahrt: Viele Senioren sind jahrzehntelang an ihr Automodell gewöhnt und mit der Technik in neuen, teuren Autos überfordert. Nehmen Sie Ihren Vater mit zu einer Probefahrt. Dann kann er testen, ob er mit der neuen Mobil-Technik überhaupt klar kommt.

Fahren und sparen: Ältere Menschen sind meist Sparfüchse - das können Sie nutzen. Rechnen Sie Ihrem Vater mal vor, was sein neuer BMW in den nächsten fünf Jahren kosten wird:

  • Rund 35.000 € für die Anschaffung.
  • Dazu kommen rund 1200 € jährlich für die Vollkasko-Versicherung
  • Steuer ca. 100 €
  • und mindesten 400 € jährlicher Kundendienst.
  • Dann vielleicht noch Winterreifen und und und…

Das neue Auto kostet in den nächsten fünf Jahren mindestens 40.000 €.

40.000 € sind bei einem Taxi-Kilometerpreis von 1,80 € rund 22.000 Fahrkilometer.

Das heißt:

  • Fährt der Vater 3000 Kilometer im Jahr, kann er für die Anschaffungs- und Unterhaltskosten eines neuen Autos nahezu 7,5 Jahre
    lang ein Taxi nutzen
  • Fährt er nur 1000 Kilometer im Jahr, kann er für die Anschaffungs- und Unterhaltskosten eines neuen Autos 22 Jahre
    lang ein Taxi nutzen.

Mobil-Alternativen

Das Taxi ist bei einer geringen Kilometerleistung zwar billiger als ein neues,  eigenes Auto. Aber es gibt günstigere Transportalternativen.

Öffentliche Verkehrsmittel: In größeren Ballungszentren lässt sich ein gut ausgebautes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen. Fahren Sie mit Ihren Eltern die wichtigsten Ziele einmal gemeinsam ab. Es sind eigentlich immer die gleichen Strecken, die Senioren zurücklegen: Zum Einkaufen, zum Arzt, zur Sparkasse, zum Lieblings-Cafe, oder zu Bekannten. Wenn aus der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel Routine wird,  verliert sich die Unsicherheit.

Fahrdienste: Fast alle Städte und Gemeinden bieten heute einen Seniorenfahrdienst an. Der lässt sich individuell bestellen, ist aber meist viel günstiger als ein Taxi.

E-Auto: Wenn  es doch ein eigenes Fahrzeug sein soll, lohnt es sich,  über ein E-Auto nachzudenken. Vielleicht reicht schon ein 25 km schnelles Gefährt,  um den täglichen Einkauf und andere kurze Strecken im Trockenen zurücklegen zu können.

Familie: Bieten Sie Ihren Eltern an, sie zu fahren, wenn das möglich ist. Vielleicht gibt es schon Enkel, die den Job gerne übernehmen. Großeltern sind ja meist großzügig.