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Erste Hilfe bei einem plötzlichen Pflegefall

Die Eltern leben weit entfernt und sind schon über 80. Zusammen bewältigten sie den Alltag bisher ganz gut. Sie leben in einem Einfamilienhaus mit großem Garten. Einmal die Woche kommt eine Putzfrau, zweimal im Jahr der Gärtner und hin und wieder eines der drei Kinder. Die Diagnose "Krebs" ist nicht nur für den betroffenen Vater eine Katastrophe, denn die Mutter kommt alleine nicht mehr zurecht.

Sofort frei bei Pflege-Notfall

In akuten Fällen, wenn schnell das Wichtigste organisiert werden muss, dürfen sich Berufstätige von heute auf morgen bis zu zehn Tage lang freinehmen. Das ist ihr Recht- keine Firma darf das verweigern, egal wie klein der Betrieb ist.

Der Arbeitgeber kann aber verlangen, dass der Mitarbeiter ein ärztliches Attest vorlegt, in dem bescheinigt wird, dass das kranke Familienmitglied voraussichtlich pflegebedürftig ist und Hilfe von Angehörigen braucht. Bekommen pflegende Verwandte ihren Lohn nicht weitergezahlt, können sie bei der Pflegekasse oder der privaten Pflegeversicherung des pflegebedürftigen Angehörigen finanzielle Hilfe beantragen. Das Pflegeunterstützungsgeld beträgt maximal 96,25 Euro pro Tag und soll helfen, den Lohnausfall zu überbrücken.

Pflegetelefon:

Sie wissen nicht weiter? Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums erreichen Sie bundesweit von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr und per E-Mail: info@wege-zur-pflege.de.

Telefonische Beratung und schnelle Hilfe für Angehörige: 030 20179131

Checkliste für den Ernstfall

Ein Elternteil liegt in der Klinik. Nutzen sie die Krankenhaus-Zeit. Sprechen sie mit dem behandelnden Arzt über die Anschlussbehandlung. Das Krankenhaus ist verpflichtet, alle Hilfsmittel, Medikamente und die benötigte Pflege für die 7 Tage nach der Entlassung des Patienten zu verordnen.

  • Aufgaben verteilen:  Zum Beispiel unter Verwandten. Wer ist Ansprechpartner für das Krankenhaus? Wer kümmert sich um die Wohnung? Wer macht Besorgungen? Wer organisiert die Anschlusspflege, usw. Die Aufgaben richten sich nach den Anforderungen und müssen individuell festgelegt werden. Schreiben Sie eine Liste!
  • Rechtliche Vertretung organisieren: Wenigstens eine Zeit lang kann ihr Vater, oder ihre Mutter viele Aufgaben nicht mehr selbst übernehmen. Entscheidungen müssen aber getroffen und Geldangelegenheiten erledigt werden. Sie, und/oder eine andere Person benötigen also die entsprechenden Vollmachten.
  • Betreuungsbedarf ermitteln: Versuchen Sie mit Hilfe der Ärzte und des Patienten festzustellen, welcher Betreuungsbedarf nötig sein wird. Kann die Selbständigkeit nach wenigen Wochen wieder hergestellt werden?  Ist eine Reha geplant, wird eine Kurzzeitpflege, ambulante Pflege oder der Umzug in ein Pflegeheim nötig?
  • Kurzfristige Betreuung organisieren: Eine Anschluss-Reha sollte möglichst sofort im Anschluss an die Entlassung statt- finden: Sie lässt sich in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus und der Krankenkasse organisieren. Alternativen sind die Ambulante Pflege oder die Kurzzeitpflege. Sie werden vom Arzt oder Krankenhaus verordnet und von Pflegediensten vor Ort umgesetzt (z. B Caritas oder Rotes Kreuz)
  • Pflegegrad beantragen: Wenn eine Reha und kurzfristige Betreuung nicht aussreicht, und ihre Eltern längerfristig auf Betreuung angewiesen sind, sollten sie möglichst schnell einen Antrag auf den Pflegegrad stellen, damit Sie die Pflege finanzieren können. Um einen Pflegegrad (seit 01.01.2017) zu beantragen, müssen Sie sich an die Pflegekasse Ihres Angehörigen wenden. Diese gehört zur Krankenkasse. Rufen Sie die Website der entsprechenden Krankenkasse auf. Dort finden Sie die Ansprechpartner. Viele Krankenkassen bieten auch die Möglichkeit, Antragsformulare herunterzuladen.
  • Langfristige Betreuung organisieren: Es steht fest, die Eltern kommen alleine nicht mehr klar. Ein Pflegegrad wurde gewährt. Jetzt muss die geeignete Wohnform gefunden werden. Fast alle Senioren möchten zuhause bleiben. Das können Pflegedienste, eine Betreuung durch Angehörige, Mischformen, oder ein 24-Stunden-Pflege möglich machen. Wenn das alles nicht in Frage kommt, bleibt das Betreute Wohnen oder ein Pflegeheim. 

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